Liebe Freunde der FEG Unteres Aaretal,
In der letzten Zeit habe ich das Buch "Revolutionäre des Glaubens" von Christian Scheidegger gelesen. Er schreibt allgemeinverständlich über die Geschichte der Täufer in der Schweiz und macht sich dabei auch für einige ihrer Ideen stark.
Dieses Buch hat mich an Galater 5:15 erinnert. Die Täufer und Reformierten haben ja durchaus keine gute gemeinsame Geschichte. Durch die Vormachtsstellung der Reformierten ist es auch zu diversen Hinrichtungen von Täufern gekommen. Nun, dass sich Christen nicht immer einig sind ist keine Neuigkeit. Wie sie mit ihrer Uneinigkeit umgehen sollten ist die wohl schwierigere Frage.
Paulus warnt die Galater mit dem lebhaften Bild von sich zerfleischenden Tieren davor, dass ihre Angriffe zur gegenseitigen Zerstörung führen. Die christliche Gemeinschaft sollte von Nächstenliebe geprägt sein. Damit meint Paulus wohl kaum, dass man typisch modern alles tolerieren und alle Probleme totschweigen sollte. So haben es auch die Apostel nicht gehandhabt (Apg 11 + 15, Gal 2).
Und auch Christian Scheidegger - wenn er über die Religionsgespräche zwischen Täufern und Reformierten schreibt - kann diesen abgewinnen, dass sie zumindest die Absicht hatten, die Wahrheit zu finden: "Vergleicht man diese Praxis mit dem heute besonders im religiösen Bereich ausgeprägten Bedürfnis nach Harmonie und Konsens, stellt sich die Frage, ob ein Streit nicht mehr Erkenntnisgewinn fördern kann als ein toleranter Dialog" (S. 78). Und genauso möchte wohl auch Paulus nicht sagen, dass man seine Meinung nicht diskutieren darf, sondern dass Streit nicht gegen den Anderen geführt werden soll. Und im Umkehrschluss deute ich es so, dass Streit für das Resultat geführt werden soll - und das selbstverständlich immer unter dem Vorzeichen der Nächstenliebe. Guter Streit ringt also um die Wahrheit und sucht nicht die Zerstörung des Anderen.
Euer Yannick
News Details