Liebe Freunde der FEG Unteres Aaretal,
Ich finde es immer wieder seltsam, in der Bibel zu lesen, dass wir uns gegenseitig ertragen sollen. Auf Deutsch klingt das für mich so, als müssten mit einem absoluten Minimum an Empathie und Interesse dasitzen und akzeptieren, dass der Andere nun mal da ist. Aber schon die Wort direkt davor machen deutlich, dass das nicht gemeint ist. Denn da steht, dass das Ertragen mit Demut, Sanftmut und Langmut geschehen soll. Es geht eben gerade nicht um ein blosses Ertragen, wie man das auf Deutsch oft so sagt. Sondern wir sollen uns dabei zurücknehmen, verständnisvoll und geduldig sein.
Aber wie kommt Paulus überhaupt erst darauf, dass wir so miteinander umgehen sollten? Es geschieht - so sagt er hier - in Übereinstimmung mit der Berufung, mit der wir berufen sind. In den Kapiteln davor hat er erklärt, dass Gott uns als seine Kinder adoptiert hat und durch diese Gnade haben wir eine neue Identität und sind zusammengestellt als Kinder desselben Vaters und damit als Geschwister. Und damit stehen wir in einer gewissen Verpflichtung zueinander. Ähnlich wie unsere Verpflichtung zu Gott geht es nicht um Werke, mit denen man sich etwas verdient, sondern um eine Frucht. So wie die Frucht des Geistes: "Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung." (Galater 5:22-23) Diese Dinge sind kein Werk, sondern eine Konsequenz aus der Gnade, unserer neuen Identität und unserem Stand. Diese Geschenke verändern uns.
Euer Yannick